Exportboom für Kärntner Anguszuchttiere

2015 war für Österreichs Rinderzüchter und Mutterkuhbetriebe ein entscheidendes Jahr. Durch den Wegfall der Mutterkuhprämie wurden die Landwirte teilweise zum Handeln bzw. Nachdenken über Betriebsstrategien gezwungen.

Österreichs Rinderzüchter reagierten wie erwartet: Der Trend ging zum Aufstocken der vom Aussterben bedrohten, heimischen Rassen, die weiterhin mit Kopfprämien gefördert werden. Hier in erster Linie zu den Rassen Murbodner, Pustertaler Sprintzen, Pinzgauer und Tuxer. Wie lange es allerdings diese Förderung gibt, steht in den Sternen. Gerade in Zeiten erschöpfter Geldmittel kann eine Streichung der Fördermittel sehr schnell erfolgen.

Die nicht geförderten Rassen (berücksichtigt wurden Rassen mit mindestens 100 Zuchtkühen) erlitten bis auf zwei Ausnahmen z.T. herbe Verluste. Diese zwei Rassen, die weiterhin im Aufwind sind, sind Angus und Aubrac.

Die größten Verluste erlitt Fleckvieh (- 10,8% Rückgang seiner Zuchtkühe zum Jahr 2014), gleich auf mit Kärntner Blondvieh (-10,8% / trotz Förderrasse), gefolgt von den extensiven Rassen Galloway (-6,5%) und Hochlandrind (-5,2%), sowie Charolais (-3,6%) und Blond d Aquitaine (-1,8%). Insgesamt verlor Österreich 0,47% seiner Fleischrassen-Zuchtkühe.

Wie schon erwähnt ist der einzige Gewinner mit bedeutenden Kuhzahlen die Rasse Angus. Mit nun österreichweit 1.324 Kühen (+3,5%) hat man seine Position als viertstärkste Nichtförderrasse im Fleischrinderbereich hinter Fleckvieh (4.238 Kühe), Charolais (1.716 Kühe) und Limousin (1.541 Kühe) deutlich gefestigt.

Wenn es keine Kopfprämie gibt, muss eine Rasse von seiner Leistung existieren können. Dies ist nicht ausschließlich ein weißes Kalb mit hohen Tageszunahmen, wie es die großen Viehvermarktungshändler den Landwirten gerne einreden wollen. Für den Züchter und Landwirt zählen hier weit mehr Komponenten, die für den langfristigen finanziellen Erfolg des Bauern wichtig sind: Gute Fruchtbarkeit (Angus besitzt mit 375 Tagen die kürzeste Zwischenkalbezeit aller Rassen), eine leichte Abkalbung ohne Hilfe (auch hier steht Angus an der Spitze der Fleischrinderrassen 2015 in Österreich), leichtfüttrige, problemlose Kühe auf Grasbasis gezüchtet, die mit ihrer Milch ein starkes Kalb aufziehen und selbstverständlich auch sehr gute Tageszunahme des Tieres – und natürlich nicht zu vergessen: Eine hervorragende Fleischqualität, die auch in der Direktvermarktung hoch geschätzt wird.

Petekhof Angus

 

All dies bietet der moderne Angus, der nun auch in Österreich stark Fuß gefasst hat. Es gibt für jeden Betriebsstandort den richtigen Angustyp: Gut bemuskelte Babybeef-Typen und großrahmige, schnellwüchsige Ausmasttypen, die es bei den Tageszunahmen locker mit den anderen Mastrassen aufnehmen können. Durch züchterische Kompetenz haben es die Österreichischen Anguszüchter verstanden, aus einem großen internationalen Angus-Genpool die richtigen Tiere für ihren Betrieb auszuwählen. Die neue Österreichische Angusgenetik kommt aus allen bedeutenden Angus Zuchtländern dieser Erde: Großbritannien, Dänemark, USA, Kanada, Neuseeland und Australien. Um ihre Ziele zu erreichen bedienten sich die hiesigen Züchter auch Zuchtmethoden wie z. B. Embryotransfer um auch leistungsstarke Mutterlinien zu erhalten, die sonst unerreichbar wären.

Ein großes Thema in der Anguszucht ist auch immer die Fleischqualität, die bei einigen Österreichischen Anguszüchtern mit Hilfe von GenStar oder Igenity Marker Tests wissenschaftlich getestet und belegt wird. Diese Zuchtmethoden sind weltweit völlig normal und haben nun auch in Österreich Einzug gehalten. Keine andere Rasse geht in Österreich derzeit diesen Weg mit Angus mit!

Weltweit gilt Angus als das Fleischrind schlechthin und als die Rasse mit dem besten Steakfleisch. Dieser Trend lässt sich auch über kurz oder lang in Österreich nicht aufhalten. Der Konsument verlangt immer mehr Qualität statt Quantität und hier wird man um die Rasse Angus nicht herum kommen. Angus-Fleischlabels gibt es u.a. schon in der Schweiz, in Deutschland, Italien und sogar in Rumänien und wer glaubt, dass Österreich in der Mitte ein weißer Fleck bleibt, verkennt die Zeichen der Zeit.

Mehr Angus Tiere in Österreich bedeutet auch mehr Tiere auf dem Fleischmarkt, während andere Rassen Rückgänge verzeichnen. Die Händler werden lernen müssen mit dieser Situation umzugehen und gute Angustiere entsprechend honorieren. Hier ist natürlich auch der Züchter gefordert und muss entsprechende Qualität züchten und auch liefern, was mit dem jetzigen modernen Angustyp kein Problem mehr sein sollte.

aberdeen angus campion

 

Situation der Anguszucht in Kärnten

Kärnten ist anders. Dieser Spruch gilt in der Tat für die Kärntner Anguszucht. Extrem auf Qualität bedacht haben sich Kärntens Anguszüchter erneut 2015 und auch schon im Februar 2016 genetisch hervorragend verstärkt. Es wurde leistungsstarke Genetik ins Land gebracht, die das Who is Who der internationalen Anguszucht darstellt. Egal ob über Samenzukauf, Embryotransfer oder Importtiere, nirgendwo wird so viel in der Anguszucht bewegt wie in Kärnten. Kein Wunder, dass es in Kärnten deutlich leistungsstärkere Angus als in den übrigen Österreichischen Bundesländern gibt.

Dies belegt eindrucksvoll der neue Zuchtbericht der ZAR von 2015: In Kärnten werden eindeutig die schwersten Angusbullen und Kalbinnen gezüchtet. Sie liegen mit 454,4 kg (männlich 365 Tagesgewicht) bzw. mit 405,3 kg (365 Tage weiblich) 51,6 kg (+12,8%) respektive 48,4 kg (+13,6%) deutlich über dem Österreichischen Schnitt von 402,8 kg bzw. 356,9 kg (männlich/weiblich 365 Tagegewicht der Angus).

Hiermit liegen die Kärntner Angus auch sehr deutlich vor den beiden Bundesländer Ober-und Niederösterreich, deren Angus im Durchschnitt gut 50 kg (männlich) bzw. fast 40 kg (weiblich) mit einem Jahr leichter sind. Eklatant wird der Unterschied zu den übrigen Bundesländern, wo er z.T. über 100 kg Differenz beim Jahresgewicht (Tirol männlich/ Burgenland weiblich) aufweist.

Auch stieg in keinem anderen Bundesland die Anzahl der Anguszuchtkühe von 2014 auf 2015 so stark wie in Kärnten.

Über die Rassen hinweg zeigt der Bericht weiterhin beeindruckende und vielleicht von wenigen erwartete Fakten:

Kärntner Angus sind einjährig schwerer als Charolais im Burgenland, Niederösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg.

Sie sind schwerer als Limousin in Kärnten, Niederösterreich, der Steiermark und Vorarlberg.

Schwerer als Blond d Aquitaine im Burgenland, Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, der Steiermark, Tirol und Vorarlberg.

Sie sind sogar schwerer als Fleckvieh in Tirol und Vorarlberg und in anderen Bundesländern fehlen hier oft nicht einmal 10 kg bei den männlichen Tieren!

Dies ist sicherlich kein Zufall, denn ein kleiner Kreis von Züchtern in Kärnten ist auf dem besten Wege sich einen Genpool aufzubauen, der weltweit zur Spitze gehört. Durch den Einsatz von v.a. britischer und nordamerikanischer, großrahmiger Genetik sind Anguskühe mit mehr als 850 kg, im Extrem sogar über 1.000 kg, Zuchtbullen mit 1,4 Tonnen und einjährige Angusbullen mit Tageszunahmen von 1.400 g und auch mehr in Kärnten zu finden. Diese Tiere sind der züchterische Grundstock und äußerst leistungsstark.

Dass dies auch im Ausland starke Beachtung findet, zeigt auch die erneut gesteigerten Exportzahlen von Kärntner Anguszuchttieren. Im Jahr 2015 wurden 61 Angus (2014: 54 Tiere) aus Kärnten in die Länder Deutschland, Slowenien, Italien, Tschechien und Rumänien exportiert. Eine sensationelle Bilanz bei 208 Kühen! Alles erfolgt über die Ab Hof Vermarktung, denn Angus „Made in Kärnten“ mit internationalen Spitzenpedigrees sind gefragter denn je. Ein Novum war sicherlich auch ein ins Ausland verkaufter Angusbulle, der dort in der Kreuzung eingesetzt wird.

Durch konsequente Umstellung von den vor Jahren stark vorherrschenden, kleinrahmigeren Deutsch Angus zu reinen Aberdeen Angus ist es in Kärnten gelungen, den Exportmarkt zu erobern. International wird nur mehr der größer werdende Aberdeen Angus verlangt und auch gut bezahlt. Selbst in Deutschland bemerkt man eine starke Tendenz weg vom Deutsch Angus und hin zum Aberdeen Angus.

Mit diesen Fakten und erfreulichen Ergebnissen der letzten Jahre sehen die Anguszüchter in eine gesicherte Zukunft.