Kanada Reise November 2015

Am 21. November 2015 flogen wir auf eine Betriebsreise nach Kanada in den Bundesstaat Saskatchewan (es erwartete uns ein 13 stündiger Flug), genauer gesagt in die Stadt Regina.

Dort findet alle Jahre die größte Rinderschau Nordamerikas statt. Diese Schau geht über 6 Tage lang und lockt jedes Jahr tausende Besucher in ihre Hallen.

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Die Entscheidung zur Canadian Western Agribition zu fahren, fiel schon bereits im Vorjahr, als uns PJ Budler aus Texas besuchte.
Er weckte unser Interesse an der nordamerikanischen Genetik, da er uns mitteilte, dass man auf dieser Rinderschau den Besten Überblick hat, weil unter anderem alles sehr geordnet von sich geht. Und da wir auch stets die Meinung vertreten, dass man nicht über etwas urteilen kann, was man nicht selbst gesehen und/ oder erlebt hat, entschieden wir uns diese Reise anzutreten.

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Auf der Suche nach Bester Genetik, muss man auch mal weit über die Grenzen hinaussehen und sich ein Bild davon machen, wie die Angus-Rinder in Großherden gezüchtet und gehalten werden.
Auf der Agribition befanden sich über 1500 Rinder der Rassen: Black Angus, Red Angus, Hereford, Charolais, Limousin, Gelbvieh, Simmental und Shorthorn.

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Den größten Rasseblock stellte die Rasse Angus mit ca. 350 Black Angus und 140 Red Angus dar und bei so vielen Tieren kann man sich auch sofort ein Bild über die Genetik machen.
Die Tiere sind mittelrahmig, haben eine sehr gute Bemuskelung, haben eine tiefe Rippe, ein gutes Fundament und sehr viel Typ.

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Wir dachten die Tiere wären für unser Zuchtziel zu klein, aber wir wurden eines besseren belehrt. Obwohl die Tiere nicht sehr rahmig sind, erreichen die Bullen mit einem Jahr über 600 Kilogramm und die Kalbinen (die ca 20 Monate alt sind) erreichen ein Gewicht von ca. 700 Kilogramm - dies entspricht genau unserem Zuchtziel. Wir werden nun auch in Zukunft mit Genetik aus Nordamerika arbeiten.

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Die Tiere auf der Show wurden jeden Tag perfekt präsentiert. Und wenn ich sage "pefekt präsentiert" heißt das nicht sie wurden nur gewaschen, sondern auch rasiert vom Kopf bis zum Fuß, geföhnt und gestylt.
Da sah man z.B. auch dass 5 Männer gleichzeitig an einem Tier über 30 Minuten lang arbeiteten, bevor es in den Ring ging.

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Diese Tiere werden generell in Großherden gehalten, von 200 - 400 Kühen pro Betrieb - doch das merkte man kaum.
Die Tiere waren so ruhig, man konnte sie überall angreifen und sie taten nichts.
In den ganzen 6 Tagen, sah ich kein einziges Tier, welches mir sehr nervös oder gestresst vorkam. Man erkannte sofort, dass man sich mit diesen Tieren wirklich sehr viel beschäftigt hat. Ganz anders als bei uns in Österreich. Die Professionalität mit der dort gearbeitet wird, war sehr erstaunlich.

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Doch wenn man weiß, um was es dort geht, versteht man warum dafür so viel Zeit aufgewendet wird.
So wurden von der Siegerkuh der Rasse Black Angus 30 Embryonen versteigert im Wert von 90.00 CAN Dollar.
Die Reservesiegerkalbin der Rasse Black Angus wurde für 32.000 CAN Dollar verkauft mit einem Alter von gerade mal 10 Monaten.
Dort befindet sich eine ganz andere Liga von Anguszüchtern.

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Wir sprachen mit sehr vielen Züchtern, unter anderem mit den Besitzern der Hamilton Farm und den Besitzern der Miller Wilson Farm. Die Gespräche waren wirklich sehr interessant.

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Aber um zu sehen in welchen Dimensionen in Kanada gearbeitet wird, besuchten wir auch ein Feedlot mit 15000 Mastrindern. Die Tiere werden in Boxen zu je 250 Tieren aufgeteilt und befinden sich ca. 300 Tage im Feedlot.

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Ein Feedlot ist nicht ein riesiger Stall mit betonierten Wänden und ganzflächiger Überdachung, es ist eher eine große befestigte Fläche, ohne Dach (im Freien) nur mit einem Windschutszaun, der ca. 4 Meter hoch ist und einem Futtertrog (und das bei Spitzentemperaturen die im Januar teilweise sogar -40 Grad erreichen).

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Wenn die Tiere eingestallt werden bekommen sie 3 Impfungen und 1 Hormonspritze (die alle 60 Tage aufgefrischt wird), was den Tieren ermöglicht höhere Tageszunahmen zu erreichen.
Alle männlichen Tiere werden kastriert, um eine bessere Fleischqualität zu erreichen.
So etwas muss man gesehen haben, dann schätzt man die eigens produzierten Produkte mehr.

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Es war eine erstaunliche Reise (vielleicht auch nicht die letzte nach Nordamerika, denn keiner weiß was die Zukunft bringt).
Wir haben viele Neuigkeiten erfahren und sind an Erfahrung in der Zuchtbranche gewachsen, auch wenn man von solchen landwirtschaftlichen Dimensionen oft träumt, erkennt man bei so einer Reise, dass die klein strukturierten Betriebe, wie es sie in Österreich gibt qualitativ hochwertige Produkte liefern, welche viel zu wenig geschätzt werden.